Pächterwechsel auf der Coburger Hütte

Der Betrieb in den Alpen bleibt fest in Familienhand

Von Judith Hobmaier

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschiedet der Deutsche Alpenverein (DAV) e. V. Sektion Coburg die bisherigen Pächter der Coburger Hütte in Tirol. Friedrich Schranz und seine Frau Reingard haben zusammen fast dreißig Jahre die Hütte des Alpenvereins bewirtschaftet. Doch mit Jürgen Schranz und seiner Frau Sonja bleibt die Schutzhütte in der Familie. „Ich wollte schon die 30 Jahre voll machen, aber Behörden sind halt manchmal sehr stur“, murrt Friedrich Schranz, den alle nur Friedel nennen. Der Pachtvertrag lief also Ende 2018 nach 27 Jahren aus, jetzt will Friedel Schranz seinen wohlverdienten Ruhestand genießen. „Wäre ich Beamter geblieben, wäre ich schon seit Jahren in Pension“, lacht er. Damals, vor 27 Jahren, hat er seine Beamtenlaufbahn aufgegeben, um Hüttenwirt für die Coburger Hütte zu werden. Erfahrung hatte er bereits, schließlich stammt er aus einer Hüttenwirtsfamilie und hat seinen Eltern schon auf der Plauener Hütte in Tirol geholfen.

Zur Coburger Hütte kam Schranz letztendlich auf einem Parkplatz auf der Autobahn, erklärt Horst Fischer, Vorstandsmitglied des DAV Sektion Coburg: „Wir hatten die Bewirtschaftung ausgeschrieben und ungefähr 20 Bewerber, die wir alle besucht haben. So richtig war nach 19 Bewerbern nichts dabei – und dann kam Friedel.“ Den Vertragsabschluss hätten sie dann auf der Raststätte einer Autobahn machen müssen, weil er und Thomas Engel, Vorsitzender des DAV Sektion Coburg, bereits gen Urlaub unterwegs waren und keine Zeit für ein weiteres Treffen hatten. Dass daraus so eine gute Freundschaft wird, hätte anfangs niemand gedacht: „Das ist auch nicht normal“, stellt Friedrich Schranz ganz pragmatisch fest. Selten sei ein Hüttenwirt mit seinem Verpächter so eng befreundet. „Und auch wenn mal die Funken flogen, wir haben immer auf Augenhöhe diskutiert und eine Lösung für alle gefunden“, sind sich Fischer und Friedrich Schranz einig.

Als klar wurde, dass der Pachtvertrag nicht mehr verlängert wird, stand sofort fest: „Natürlich übernehme ich die Hütte“, erklärt Jürgen Schranz. Was ihn am Berg- und Hüttenleben reizt, das könne er schlecht mit Worten beschreiben: „Sobald es Frühling wird, zieht es mich einfach rauf.“ Dieses Glänzen in den Augen, wenn er von der Hütte spricht, von „seinen“ Bergen, von „rauf“ – dann ist klar, dass der gelernte Elektrotechniker keine Sekunde gezögert hat. Und seine Frau Sonja? „Ich wusste, worauf ich mich einlasse, immerhin kenne ich Jürgen seit zwölf Jahren.“ Sonja Schranz lebt unter der Woche in Axams, der nächst gelegener Stadt. An den Wochenenden kommt sie natürlich mit der gemeinsamen zweieinhalbjährigen Tochter hoch auf die Hütte. Die dritte Generation wachse also auch schon heran, hofft Horst Fischer.

Was sich Jürgen Schranz für die Zukunft der Hütte wünscht? Zwei zusätzliche Personalzimmer und schönes Wetter. Und der DAV? „Weiterhin so gutes Essen“, lacht Thomas Engel. Immerhin sei bisher keine Woche ergangen, in der nicht mindestens ein Coburger der Hütte in Tirol einen Besuch abgestattet hätte, was wohl auch an der tollen Bewirtschaftung gelegen habe.

Wenn Friedel und Jürgen Schranz nach einem denkwürdigen Ereignis gefragt werden, überlegen sie nicht lange und berichten, dass sie jemanden das Leben gerettet haben. Ein Gast hatte einen Herzinfarkt erlitten: „Einen Rettungshubschrauber haben wir nicht bekommen, also haben wir – entgegen der Vorschriften – den Mann mit der Materialseilbahn ins Tal gebracht“, erzählt Jürgen Schranz. „Wir konnten ihn doch nicht sterben lassen, nur weil wir die Seilbahn nicht für Menschen benutzen dürfen!“ Dem ehemaligen Gast gehe es übrigens wieder bestens.

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